[lautschrift] Das USL-Syndrom

Es kommt vor, dass ich mir selbst Fragen über die Intelligenz der Menschheit stelle. Zum Beispiel heute. Heute war eigentlich ein ganz normaler Tag, sofern ein Tag überhaupt als ein solcher bezeichnet werden kann. Denn was ist normal?! Eigentlich passieren täglich unvorhersehbare Dinge, die den Tag von einem normalen Tag  unterscheiden. Ist normal also unnormal oder eher unnormal normal?

Glaubt man einer Erklärung des Wortes von Duden online, so ist ‚normal‘ ein anderes Wort für ‚der Standardnorm entsprechend‘, was eigentlich heißen müsste, dass ein normaler Tag ein Tag ist, an dem ziemlich viel nicht nach Plan läuft, denn das ist wirklich Standard. eine andere Worterklärung derselben Seite erklärt ‚normal‘ mit dem Begriff ‚vorschriftsmäßig‘, was wohl eher darauf hindeuten würde, dass ein normaler Tag ein Tag ist, an dem wirklich alles nach Plan läuft, was ja eher darauf hindeuten würde, dass ein normaler Tag eigentlich unnormal ist, denn er kommt nun wirklich zu selten vor als dass man ihn als standardgemäß durchgehen lassen könnte.

Damit zurück zum Anfang. Ich persönlich vertrete ja die These, dass es Menschen gibt, die in ihrem Schädel etwas Einzigartiges haben: weder Grips noch sonst irgendetwas anderes, sondern einfach das andere Ende eines Schwarzen Lochs. Denn fast alle Physiker sind sich darin einig, dass ein Schwarzes Loch nur der Eingang zu einem Tunnel ist, der auch wieder einen Ausgang haben muss. Und der befindet sich in  den Köpfen einiger unserer Mitmenschen. Vielleicht ist Ihnen bekannt, dass ein Schwarzes Loch einfach alles in sich hineinzieht und dadurch immer größer wird. Bisher hat man noch nichts von dem, was einmal in ein Schwarzes Loch eingesogen wurde, wieder gefunden, was wohl daran liegen könnte, dass noch nicht alle Köpfe der Menschheit genauestens untersucht wurden.

Jetzt fragen Sie sich bestimmt, was einem so ein gedrehtes Schwarzes Loch im Kopf bringt. Wenn nicht, liegt es vielleicht daran, dass Sie selbst eine der Hauptpersonen des bisherigen Textes sind und so ein falsches Schwarzes Loch im Kopf haben. Denn wenn gerade nichts in das Schwarze Loch am anderen Ende Ihres persönlichen Schwarzenloch-Tunnels eingesogen wird, so kommt bei Ihnen auch nichts aus dem Tunnel heraus. Das heißt, dass sie an nichts denken können, einfach an gar nichts. Wenn Sie jetzt sehr traurig sind (was darauf hindeuten würde, dass Gefühle außerhalb des Kopfes gesteuert werden, wenn sie überhaupt gesteuert werden), kann ich Sie trösten: Denn wenn das Schwarze Loch am anderen Ende Ihres Tunnels einmal etwas in sich hineinzieht, dann sind Sie wahrscheinlich sehr kreativ, denn alles, was auf der einen Seite in den Tunnel hineinkommt, kommt auch in Ihrem Kopf wieder als Gedanke hinaus. Wenn also das Schwarze Loch ein ganzes Raumschiff in sich einsaugt, dann denken Sie an Raumschiffteile, Kleidung der Besatzung, Schwerelosigkeit und wahrscheinlich auch an die Zahnpasta der Astronauten. Was ja eigentlich schon eine kreative Glanzleistung wäre, doch da fangen Sie erst richtig an! Denn wo die Kreativität anderer jetzt bereits schlappmachen würde, denken Sie noch an Dinge wie Schlafsäcke und Hightech-Geräte zur Bestimmung der Herkunft von Weltall-Schrott. Wenn Sie allerdings kein umgekehrtes Schwarzes Loch im Kopf haben, so konnten Sie mir bisher wahrscheinlich problemlos folgen und fragen sich jetzt bestimmt, wie ich auf die obige Hypothese kam.

Nach langer, ausführlicher Beobachtung meiner Mitmenschen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es für folgendes Verhalten keine andere Erklärung gibt (hier werden einige Beispiele des Umgedrehten-Schwarzen-Loch-Syndroms (USLS) aufgezählt sowie die in dem jeweiligen Moment vom Schwarzen Loch wahrscheinlich verschlungenen Gegenstände):

In einer Deutschstunde meldet sich eine Schülerin und meint: „Ich glaube, ich könnte Französisch Lehrerin werden.“ (Hier wurde wahrscheinlich eine Studentin für Lehramt Französisch verschlungen.) Oder an der Kasse im Supermarkt: „Haben Sie vielleicht neun Cent passend?“ Darauf der Kunde: „Nee, nur in Taschentüchern.“ (Offensichtlich wurde eine Hose eingesaugt mit neun Cent in der einen Hosentasche und Taschentüchern in der anderen. Der Kunde hat wohl in der Eile in die falsche Hosentasche gegriffen.)

Aufgrund beider Erfahrungen des heutigen Tages, der nämlich in der Deutschstunde sowie der an der Kasse, kam es zur These um die Existenz des USLS.

Leonhard (Klasse 8b)

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern