Kosmos Heartfield

Eine ganze Schulklasse besichtigt eine Kunstausstellung - in Zeiten der Corona Pandemie undenkbar. Dennoch besuchten wir, zwar nur virtuell und vom Schreibtisch aus, am 28. Januar 2021 im Rahmen des online-Geschichtsunterrichts im Auftrag unseres Kursleiters, Herrn Weiß, eine virtuelle Ausstellung in der Akademie der Künste in Berlin.

„Kosmos Heartfield“ beleuchtet auf innovative Weise das Leben des Berliner Bildkünstlers John Heartfield, dessen politisch wie auch dadaistisch inspirierte Druckgrafiken, Fotomontagen, Bühnenbilder und Buchumschläge die Nazis so gefürchtet hatten, dass sie Heartfield 1933 sofort verhaften wollten.

Mit ihrem exzellenten Interface, welches Audios, Bilder und natürlich Texte vereinigt, werden die Informationen in „Kosmos Heartfield“ an die Besucher vermittelt. Nach dem Besuch der Ausstellung weiß man von der Entstehung der Alben Heartfields, seiner Flucht und dem Exil und von seiner Rückkehr nach Deutschland. Die Fotos, welche ihn berühmt gemacht haben, kann man dort auch betrachten.

Zu Beginn wird der Besucher mit einem ausgestreckten Arm mit offener rechter Hand konfrontiert. Die anfängliche Verwirrung legt sich schnell. Die einzelnen Finger der Hand stellen die Portale zu einzelnen Abschnitten der Biografie Heartfields dar.

John Heartfield wurde 1891 in Berlin als Helmuth Franz Josef Stolzenberg geboren, durch die Heirat der Eltern änderte sich der Name in Herzfeld. Ab 1926 nannte er sich dann John Heartfield.

Heartfield hatte bereits eine schwere Kindheit, die von Flucht und Angst geprägt war. Als er acht Jahre alt war, verschwanden seine Eltern, mit denen er aus dem Deutschen Reich der Kaiserzeit fliehen musste, spurlos und sie ließen ihn und seine Geschwister zurück. Während er bei einer Pflegefamilie aufwuchs, absolvierte er eine Lehre im Buchhandel bei seinem Onkel, jedoch verspürte er schon bald den Wunsch, Künstler zu werden. Nachdem er dem Einsatz im Ersten Weltkrieg durch Vortäuschen einer Nervenkrankheit entfliehen konnte, entdecke er schon bald danach zusammen mit George Grosz die Fotomontage als radikal avantgardistische Ausdrucksform. Die beiden widmeten sich politischen Themen und bekämpften auf diese Weise Krieg, Aufrüstung und Ausbeutung.

Heartfield war Gründungsmitglied er KPD, kannte Rosa Luxemburg persönlich und setzte seine Kunst vor allem für politische Zwecke ein. Besonders hat mich in dieser Ausstellung der Dadaismus fasziniert. Dadaismus beschreibt eine künstlerische Bewegung die sich durch Ablehnung konventioneller Kunst und bürgerlicher Ideale auszeichnet. 1920 initiierte Heartfield zusammen mit unter anderem George Grosz die erste Dada-Messe in Berlin. Die harsche Kritik an dieser Schau von allen Seiten – von der konservativen „Deutschen Tageszeitung“ bis zur KPD-nahen „Roten Fahne“ wurde von ihm als Ritterschlag empfunden.

In dieser Zeit, zu Beginn der Weimarer Republik, wurde er auch bekannt für die Gestaltung von Umschlägen linker Autoren (vor allem im Malik-Verlag seines Bruders). Seine Art der grafischen Gestaltung von Buchumschlägen war neuartig, denn die Cover haben unterschiedliche Vorder- und Rückseiten, die den Leser bzw. Betrachter herausfordern sollen. So war es damals nicht verwunderlich, dass einige seiner Gestaltungen der Zensur anheimfielen. Dies löste er wiederum kreativ-künstlerisch, indem er seine Grafiken veränderte, aber durch die Veränderung die Zensur sichtbar machte.

Die Aufmerksamkeit, welche dadurch entstand, endete in der Verfolgung des Künstlers nach Anbruch der Nazi-Diktatur. Nur durch einen Sprung vom Balkon konnte er vor der SS am Karfreitag 1933 fliehen. Er schlug sich durch ins Ausland, nach Prag. Dort angekommen nahm er seine Arbeit als Grafiker wieder auf, diesmal bei einer Zeitung. Dort erschuf er beeindruckende Fotomontagen, welche häufig die Titelseiten zierten und die heute in jedem Geschichtsbuch zu finden sind. Die bevorstehende Invasion der Deutschen zwang Heartfield zur Flucht nach London. Als Deutscher wurde er dort zunächst als potentieller Feind gesehen und daher auch vom Geheimdienst Großbritanniens beschattet.

Nach Kriegsende fühlte sich Heartfield verpflichtet, nach Deutschland zurückzukehren. In der DDR hoffte er, auf Leute mit gleicher Meinung zu treffen. Aber seine Werke wurden abgelehnt. Gemeinsam mit Frau und Hauskatze in dem neuen deutschen Staat angekommen, wurde er wiederum vom Geheimdienst beobachtet, da ihm in der DDR Kontakte zu einem US-Agenten vorgeworfen wurden. Ein wichtiger und treuer Freund war ihm Bertolt Brecht. Die beiden Künstler respektierten sich und inspirierten sich mit ihren Werken gegenseitig. So war diese Freundschaft bis zum Tod Brechts im Jahre 1956 eine ständige und wichtige Konstante im Leben Heartfields. Daher erhielt Heartfield auch einige Aufträge von Brecht, wie zum Beispiel den Entwurf des Bühnenbilds für die Inszenierung von Maxim Gorkis "Die Mutter". Die Theaterarbeit war seit seiner Rückkehr aus dem Exil ein wichtiges finanzielles Standbein.

So gelang es ihm langsam, auch in der DDR Fuß zu fassen. Seine Mitgliedschaft in der SED, die ihm nach anfänglichem Verbot gewährt wurde, und der Eintritt in die Deutsche Akademie der Künste sowie die damit verbundenen Privilegien ermöglichten es ihm, sich wieder seiner Kunst zu widmen. John Heartfield zog von Leipzig nach Berlin und führte seine Arbeit an den Collagen fort. Der gesundheitlich angeschlagene Heartfield setzte sich in der Märkischen Schweiz zu Ruhe. Er starb 1968.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass mit ein wenig Offenheit für Neues eine virtuelle Ausstellung durchaus eine Alternative zu einer analogen Exkursion darstellen kann.

Ich ganz persönlich kann sagen, dass ich diese Art von Ausstellung sehr interessant und innovativ finde. Einen Vergleich zu anderen digitalen Ausstellungen kann ich leider nicht ziehen, da ich bis jetzt noch keine andere besucht habe, wenn man hier von „besuchen“ sprechen kann. Ich fand die Erfahrung, vom Schreibtisch aus in die Geschichte eines Menschen einzutauchen, spannend und kann es nur jedem, der sich für Geschichte interessiert, empfehlen, einmal eine solche Ausstellung zu besuchen.

Die Ausstellung findet man unter: https://www.johnheartfield.de/kosmos-heartfield

Pasticcio aus den Berichten von: Silas Folosea, Anton Nägel, Franz Mielke, Florian Hilme, alle Q11

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern