Griechenlandaustausch 2013

Verbunden – auch (oder besonders) in Zeiten der Krise

Tränenreich (die Mädchen) bzw. mit einem lockeren Schulterschlag (die Jungen) verabschiedeten sich die 16 Schülerinnen und Schüler des GCE von ihren griechischen Austauschpartnern, die im Juni mit ihren Lehrern für knapp zwei Wochen nach Bayreuth gekommen waren, um Land und Leute kennenzulernen. Die Verbindung war hergestellt, Freundschaften waren entstanden und so konnten die deutschen Eltern uns im September für den Gegenbesuch in Athen ihre Kinder schon entspannter anvertrauen – denn diese wurden von ihren Partnern und deren Eltern voll Freude erwartet.

Somit begann der Griechenlandaustausch mit der Deutschen Schule Athen am 6. September 2013 unter besten Vorzeichen – und dies sollte sich auf der ganzen Fahrt widerspiegeln.

Wir durften alle die berühmte griechische Gastfreundschaft erleben und genießen, die sich nicht nur im wunderbaren Essen (laut Auskunft der Schüler waren sie ab dem ersten Abend „dauersatt“), sondern ganz besonders in der herzlichen Fürsorge für uns zeigte.

In den folgenden Tagen erlebten wir immer wieder die Verbindung zwischen dem Griechenland heute, mit all seinen Problemen und Nöten, und der allzeit präsenten antiken Kunst und Kultur. In den Familien erfuhren die Schülerinnen und Schüler ein Stück lebendiges, alltägliches Griechenland, eingebettet in den Tagesablauf einer griechischen Familie. Wir führten einige Gespräche mit Griechen bezüglich der aktuellen politischen Lage und der Beziehung zu Deutschland und haben Einblick in Einzelschicksale gewonnen – wir haben keine Lösung gefunden, sind aber jetzt sicher vorsichtiger im schnellen Urteilen.

Feindseligkeit haben wir nie erfahren, vielleicht auch, weil wir respektvoll miteinander umgegangen sind.

Eine viertägige Rundfahrt ohne die griechischen Partner gab uns die Möglichkeit, die Stätten, die die Schülerinnen und Schüler bisher nur aus dem Lehrbuch kannten, nun vor Ort zu erleben.

Die viertägige Busreise führte uns über das Orakel von Delphi in seiner grandiosen Lage nach Olympia, wo die Verbindung von Kult und Leben im Zeichen der olympischen Spiele spürbar wurde. Das Meer, das für die Griechen seit alten Zeiten Lebensunterhalt und zugleich Gefahr bedeutete, war für uns reiner Quell der Erholung und des Vergnügens. Auf der Fahrt durch die Peloponnes nach Mykene wurde wirklich erfahrbar, dass nicht nur Sonne und Meer, sondern auch die lieblich-schroffen Gebirgslandschaften den Charakter des griechischen Volkes mitgeprägt haben, und beim Gang durch das Löwentor in Mykene schwebte fast spürbar der Fluch des Atridenhauses über den Steinen. Dass wir unsere Kenntnisse von Vergangenem nicht zuletzt auch der mühevollen Arbeit der Archäologen verdanken, veranschaulichte uns ein Archäologe in Tiryns, der uns unmittelbar über den neuesten Stand der dortigen Grabungen informierte.

In dem zauberhaften Städtchen Nauplion mit seiner eindrucksvollen Burganlage wurden wir besonders mit der Tatsache konfrontiert, dass das griechische Volk über Jahrhunderte hinweg unter Fremdherrschaft litt und die tiefe Sehnsucht nach Freiheit aus dieser historischen Tatsache heraus noch besser zu verstehen ist.

Epidauros bringt uns Besucher immer wieder zum Staunen – über die Vollkommenheit des Theaters und die Fähigkeit der griechischen Tragiker, den Menschen in seinem tiefsten Inneren zu bewegen, ja zu erschüttern. Weiter auf den Spuren des Apostels Paulus und des antiken Sängers Ibykos erspürten wir die einstige Bedeutung von Korinth, ließen uns auf der Brücke über den Kanal am Isthmos wieder in die Gegenwart zurückrufen und tauchten schließlich wieder in das großstädtische Athen ein.

Dem Charme dieser krakenartig sich ausbreitenden, lauten und heißen Stadt kann sich keiner entziehen.

Ob auf der Akropolis, der Agora oder dem Kerameikos – hier gehen Sokrates, Perikles, Kriton und all die anderen, die wir aus den Büchern kennen, neben uns her. Treten wir aus der Agora heraus, so umfängt uns das pulsierende, moderne griechische Leben. Noch mehr aber als in den beliebten Gassen der Plaka spüren wir das Leben in den Nebengässchen, den kleinen Plätzen und einfachen Tavernen, die nicht im Reiseführer stehen. Derartige Erlebnisse verdankten die Schülerinnen und Schüler der liebevollen Umtriebigkeit ihrer Gastfamilien.

Ein großes Gefühl der Dankbarkeit verspürten wir alle, als wir Abschied nahmen. Es waren erfüllte Tage!

Ein besonderer Dank gilt dabei den deutschen und griechischen Gasteltern, die mit ihrem Einsatz und ihrer Unterstützung die Reise ermöglichten, und ganz besonders den griechischen Lehrern, die uns mit ihrer unermüdlichen Sorge wunderschöne Erlebnisse verschafften und dabei zu Freunden wurden. Dank auch an den Elternbeirat und die Freunde des humanistischen Gymnasiums für großzügige finanzielle Zuschüsse.

Gerne flogen wir auch wieder in unser grünes und uns so vertrautes Land und zu unseren Familien zurück, haben aber über das Lehrbuch hinaus an Lebenserfahrung gewonnen.

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern