Konsumkritik

Bei fundierter Konsumkritik geht es nicht darum, nur anzuprangern. Die Schüler der 8b und 8c stolperten bei ihren Recherchen zwar über einiges, was momentan "falsch läuft", seien es unwürdige Arbeitsbedingungen für Näher in südostasiatischen Sweat-Shops, die klimaschädlichen Treibhausgase bei Urlaubsreisen mit dem Flugzeug oder unser gigantischer Holz- und Papierverbrauch. Jedoch kamen die Schüler schnell zur Einsicht, dass vieles Schlimme auf dem Verhalten und den Wünschen der Konsumenten beruht. Aber auch beim bloßen Lamentieren sollte es nicht bleiben: jede Gruppe gab Tipps zu verantwortungsvollem Konsum und stellte Projekte und Aktionen vor, denen Nachhaltigkeit und Fairness zu Grunde liegen.

Beispiel "Blutige Handys"

In den kleinen technischen Wunderwerken steckt ein Haufen wertvoller (Edel)metalle, die hauptsächlich in Afrika gefördert werden. Es besteht immer größerer Bedarf an diesen seltenen Erden, denn der Siegeszug des Mobiltelefons lässt sich nicht aufhalten. Immer schneller wird auch der Lebenszyklus eines solchen Gerätes, da es längst nicht mehr auf seinen reinen Nutzwert zu reduzieren ist; es ist zu einem Statussymbol geworden und Mobilfunkanbieter locken Kunden mit 0-Euro-Handys. So landen alte Geräte als umweltbelastender Elektroschrott kurzerhand auf dem Müll und Ersatz muss ja irgendwo herkommen. Die Rohstoffe dazu werden oft aus Krisengebieten billigst eingekauft, wo militante Gruppen sich die Minen mit Waffengewalt sichern - der Vebraucher freut sich über ein billiges neues Handy und ist sich womöglich nicht darüber im Klaren, dass der Ressourcenkrieg im Kongo seit 1998 schon über 1,7 Millionen Menschenleben gefordert hat.

Man kann sicherlich nicht erwarten, dass nun jeder Jugendliche betroffen sein Handy weggibt oder das alte weiter nutzt, bis es auseinanderfällt. Auf eine umweltgerechte Entsorgung achten aber vielleicht jetzt mehr Schüler, zudem es im GCE neben der Biologie einen eigenen Sammelcontrainer dafür gibt.

Folgen nicht nur anderswo spürbar

Selbst wenn es jemandem egal sein sollte, was anderswo auf der Welt passiert, hat unser Konsumverhalten auch für uns (in)direkte Folgen. Verschwindet der Regenwald aufgrund der Sojaplantagen für die Rindermast, spüren wir die Auswirkungen unseres hohen Fleischkonsums eventuell schon bald in Form von ungemütlichen Klimaänderungen. Fliegen wir oft in den Urlaub, anstatt auf Bahn oder Bus zu setzen, unterstützt man die Erderwärmung noch mehr. Und auch bei unserem verschwenderischen und ineffektiven Umgang mit Papier müsste sich schleunigst etwas ändern, da z.B. Chemikalien zum Bleichen das Grundwasser verschmutzen können.

Herr König-Zeußel vom Bio Bio Supermarkt nahm sich an zwei Tagen die Zeit und ließ die achten Klassen an Insiderwissen teilhaben. Warum es sich lohnt, weniger Nahrung aus industrieller Massenproduktion zu kaufen, konnten die Schüler sogar erschmecken: Ihnen wurde frisches, biologisches Obst angeboten und sie durften fair gehandelte Schokolade test-essen. Dass Bio nicht gleich Bio ist und man sich im Wirrwarr der Kennzeichnungen und Labels gut auskennen muss, war sicherlich für manch einen ganz neu, genauso wie die Erfahrung, dass Bio nicht zwangsläufig teurer sein muss als konventionelle Lebensmittel. Hängengeblieben ist auf jeden Fall, dass regionale und saisonale Produkte sowohl aus Transportgründen als auch zur Unterstützung des heimischen Arbeitsmarktes zu bevorzugen sind.

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern