Konzentrationslager sind anders

Konzentrationslager sind anders. Anders als alles, was man sonst in Deutschland an Gedenkstätten besuchen kann. Denn nirgendwo wird es so deutlich wie hier, was Grausamkeit und missbrauchte Macht anstellen können. Wir hatten am 19. Juli die Möglichkeit, Dachau zu besichtigen. Wie aktuell und interessant das Thema ist, zeigte sich schon bei der Abfahrt, fehlten doch – trotz des heißen Wetters, der strahlenden Sonne und den nahenden Ferien – quasi keine Schüler.

Es ist ein seltsames Gefühl, durch dieses Lager zu laufen. Da ist die zentrale Pappelallee, die eigentlich zum Flanieren einladen würde, im Schatten auf dem ansonsten in der Glut der Mittagssonne liegenden Platz, eine kleine Idylle; wären da nicht die Kiesfelder, die Fundamente, die Steine mit den Nummern, die hinter ihnen liegen. Wären da nicht die vereinzelten alten Leute, die, gestützt auf ihre Kinder, durch das Lager gehen, manche gebeugt, manche weinend, manche mit leerem Blick vor sich hinstarrend. Trauernd liegen kleine Steine auf den Nummernblöcken, niedergelegt von Juden, jeder Stein ein Toter, jeder Stein ein kleines Grab für eine zu Tode gequälte Seele. Klein und unscheinbar liegen sie da, und doch wird vielleicht gerade an ihnen die eigentlich unbegreifbare Zahl der Toten fassbar. Gerade durch sie wird diese abstrakte Zahl aufgeschlüsselt, werden drei, vier Fälle herausgegriffen, so wie sie schon damals waren: anonym, nur eine Nummer und ohne jede weitere Information. Nur: Hier starb ein Mensch. Hier wurde ein Mensch zu Tode gequält.

All das wurde uns gezeigt, von unseren Lehrern selbst in zwei ausführlichen Besichtigungen. Wir sahen die Baracken mit ihren engen Betten und rätselten alle darüber, wie man diese sowieso schon knappen Räume noch achtfach überbelegen konnte. Wir sahen die neuen Kirchen und Gedenkplätze, wie sie sich trotzig und kahl in den Himmel reckten, die Krematorien, liefen durch die Gaskammer, die nie in Betrieb ging und doch einigen Menschen das Leben nahm. Wir sahen die Öfen, den Bunker, die Stehzellen, 70x70cm groß, ohne jede Möglichkeit, sich zu setzen.

Zuletzt besuchten wir noch die Ausstellung mit ihren gut gemachten Schautafeln und dem ebenfalls sehr informativen Film. Mit seinen Originalaufnahmen bildete er einen guten Abschluss dieses Besuches, der sicher niemanden von uns unberührt und teilnahmslos gelassen hat. Denn dafür ist das Grauen immer noch zu allgegenwärtig an diesem grauen Fleck mitten im Grün des Sommers, in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern