VdF / FmS: Schlaue Insekten - Was Lernen mit Evolution zu tun hat

Dienstag, 24. September 2013 - 19:00

Aus der Vortragsreihe "Kosmos und Logos" anlässlich des 350. Jubiläums

Vortrag von Prof. Dr. Johannes Steidle (Universität Hohenheim), Abiturjahrgang 1981

Nur wenige wissenschaftliche Konzepte haben die Welt so nachhaltig verändert wie die Evolutionstheorie. Auch wenn heute keine vernünftigen Zweifel mehr an ihrer grundsätzlichen Richtigkeit bestehen, so sind doch noch längst nicht alle Detailfragen geklärt. So sind die Mechanismen, durch welche neue Arten entstehen, nach wie vor ein zentrales Forschungsgebiet der Evolutionsforschung. Von besonderem Interesse ist diese Frage bei solchen Tiergruppen, die besonders viele Arten hervorgebracht haben, wie beispielsweise Insekten.

In dem Vortrag soll am Beispiel der Lagererzwespe ein neuer, etwas ungewöhnlicher Ansatz vorgestellt werden, der die Aufspaltung einer Art in mehrere Arten und damit die Entstehung neuer Arten erklären könnte. Die Weibchen der Lagererzwespen legen ihre Eier an die Larven von bestimmten Käferarten und ihre Nachkommen ernähren sich von diesen Wirten. Während ihrer Entwicklung prägen sich die Wespenlarven die Käferart ein, an der sie fressen. Wenn sie später als adulte Insekten selber auf Wirtssuche gehen, legen sie ihre Eier wieder an die Larven derselben Käferart. Haben sich zwei Weibchen an verschiedenen Wirten entwickelt, ist es denkbar, dass auch ihre Nachkommen der folgenden Generationen diese beiden Wirte bevorzugen und sich dadurch nicht mehr miteinander paaren. Auf diese Weise könnten zwei verschiedene Unterarten und schließlich auch zwei verschiedene Arten entstehen.

Da für viele Insekten bekannt ist, dass sie während der Entwicklung an Pflanzen oder anderen Insekten ihre Wirte erkennen lernen, könnte dieser Mechanismus eine der Erklärungen darstellen, dass Insekten die artenreichste aller Tiergruppen geworden sind.

Der Eintritt ist wie immer frei - wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern