VdF: Prof. Dr. Eckhard Nagel, Universität Bayreuth: "Die Medizin zwischen Wirtschaft und Moral"

Dienstag, 7. November 2017 - 19:00

Liebe Schülerinnen, Schüler und Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde,

seien Sie herzlich eingeladen zum anstehenden Vortrag, der große Brisanz enthält – geht es doch um das heikle Thema der ethischen Verantwortung der modernen (Hochleistungs-) Medizin im Spannungsfeld von wissenschaftlicher Neugier, praktischer Anwendung und ökonomischer Rationalität.

Der Referent Prof. Dr. Eckhard Nagel (Universität Bayreuth) ist ausgewiesener Fachmann zum Thema: Er hatte zahlreiche Funktionen als Arzt inne und ist aktuell Professor für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth; zudem hat er in Philosophie promoviert.

Er engagiert sich seit vielen Jahren in ethischen Fragen; so war er u. a. Mitglied im Nationalen bzw. im Deutschen Ethikrat sowie Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Prof. Nagel  ist viel gefragter und gern gehörter Referent und Diskussionspartner in Rundfunk, Fernsehen und bei öffentlichen Veranstaltungen. Wir freuen uns, ihn als Referenten für unsere Vortragsreihe begrüßen zu dürfen.

Wann wird der Mensch unsterblich?

Es ist nicht neu, dass wirtschaftliche Überlegungen medizinische Handlungsmöglichkeiten begrenzen. Grundsätzlich ist das nicht problematisch, denn das Gesundheitswesen kann nachhaltig von der Betrachtung finanzieller Rahmenbedingungen profitieren: Lässt sich feststellen, wo gespart werden kann, so ist das auch eine Chance Mittel freizusetzen, um zusätzliche Leistungen zu ermöglichen. Für eine allgemein vorteilhafte Umsetzung dieses Prinzips müssen allerdings auch medizinische, technische und vor allem ethische Kriterien in die Entscheidung einfließen. Häufig entsteht allerdings der Eindruck, dass Sparmaßnahmen nur durch wirtschaftlicher Überlegungen begründet werden und so nachteilige Auswirkungen auf das Wohl des Patienten haben. Die ökonomische Rationalität avanciert also zur allgemeinen Leitkategorie. Therapieoptionen werden zu knappen Gütern, Ziele des Arztes und Wünsche eines Kranken unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten diskutiert. Zuwendung droht nur noch dort stattzufinden, wo sie sich rechnet. Jedoch sollten die individuelle Situation und das Wohl des Patienten entscheidend sein und alle ökonomischen Faktoren erst zweitrangig betrachtet werden. Die Analyse gesundheitsökonomischer Zusammenhänge ist angesichts stets begrenzter Ressourcen unabdingbar und ethisch gefordert – vorausgesetzt, dass das abzuleitende Wirtschaften zuträglich ist für das Leben des Einzelnen.

Entwicklung und Umsetzung: Philipp Schmieder Medien – vanbittern